Haftstrafen für VW-Manager - Harte Urteile im VW-Dieselskandal für Compliance-Verstöße

Haftstrafen für VW-Manager – Harte Urteile im VW-Dieselskandal für Compliance-Verstöße

Der Dieselskandal, der Volkswagen seit 2015 erschüttert, bleibt ein Lehrstück für das Scheitern von Corporate Governance und Compliance. Dass es sich nicht um eine „technische Panne“, sondern um systematisches Fehlverhalten handelte, zeigen die jüngsten Urteile des Landgerichts Braunschweig: Vier ehemalige VW-Manager wurden im Mai 2025 wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs verurteilt - zwei zu mehrjährigen Haftstrafen, zwei weitere zu Bewährungsstrafen. Besonders brisant: Das Gericht stellte bei allen Angeklagten Vorsatz fest.

Gleichzeitig wurde das Verfahren gegen Ex-Vorstandschef Martin Winterkorn vorerst aus gesundheitlichen Gründen eingestellt. Ob es je fortgesetzt wird, ist offen. Damit steht der wohl wichtigste Verantwortliche bisher nicht rechtskräftig vor Gericht - ein bitteres Signal für die Aufarbeitung des Skandals.

Compliance-Versagen trotz „Leuchtturm-Systems“

Ironie der Geschichte: VW verfügte schon vor Bekanntwerden des Diesel- Skandals über eines der größten Compliance-Management-Systeme weltweit. 2011 wurde es noch als „Leuchtturm der Compliance“ ausgezeichnet. Doch genau in diesem Umfeld konnten die Abgasmanipulationen über Jahre hinweg unentdeckt bleiben. Wie wir bereits 2023 in unserem Blogbeitrag von 2023 zum Dieselgate aufgezeigt haben, ist genau dieser Widerspruch zwischen vermeintlicher Vorzeigekompliance und tatsächlichem Organisationsversagen der Kern des Problems.

Die Strukturen waren groß, teuer und bürokratisch - aber wirkungslos, wenn es um die zentrale Aufgabe ging: das Unternehmen und seine Leitung vor kriminellen Risiken zu schützen.

Die Braunschweiger Urteile machen deutlich: Nicht nur einzelne „schwarze Schafe“ haben versagt, sondern ein ganzes Organisationssystem, das kritische Informationen nicht an die richtigen Stellen weiterleitete. Eine funktionierende Wissensorganisation hätte sichergestellt, dass eine derartige Manipulation dem Gesamtvorstand und/oder dem Aufsichtsorgan bekannt geworden wäre.

Was bleibt?

Die Lehren aus dem VW-Skandal bleiben eindeutig:

  1. Größe ersetzt nicht Effektivität. 
    Konsequenz: 
    Compliance muss fokussiert, schlank und unabhängig sein. 
     
  2. Das hauseigene Compliance-Office scheitert an faktischen Abhängigkeiten. 
    Konsequenz:
    Externe Strukturen wählen. Das vermeidet Interessenkonflikte und ermöglicht effiziente Kontrolle.

Alle anderen Wege führen in die Irre. Sie gaukeln eine Scheinsicherheit vor, sind aber letztlich nicht mehr als PR, Illusion und Schönfärberei. Compliance-Verstöße können so nicht verhindert werden und sich im worst case zu einem Dieselgate auswachsen.

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Dr. Eric Heitzer
Dr. Eric Heitzer
Als Rechtsanwalt und gelernter Bankkaufmann war Dr. Eric Heitzer viele Jahre in der Geschäftsleitung namhafter Telekommunikations- und Medienunternehmen in Frankfurt, Hamburg und Köln für die Bereiche Marktregulierung, Public Policy und Wettbewerbsrecht verantwortlich. 2018 gründete er die Integrity und baut seitdem ein Team auf, welches mit ausgewiesener Expertise und Erfahrung Unternehmen in den Bereichen Compliance & Datenschutz unterstützt.